Archiv für 2012

Gemeinsame Erklärung des Landeselternrates und der Kreiselternräte zur Lehrerversorgung an Sachsens Schulen

Dienstag, Februar 21st, 2012

vom 20. 02. 2012

Der LER Sachsen und die Kreiselternräte begrüßen, dass die unzureichende Lehrerversorgung an
Sachsens Schulen nunmehr in der öffentlichen Diskussion und in der Diskussion der politisch
Verantwortlichen angekommen ist. Seit Jahren haben nicht nur Sachsens Elternvertretungen vor der
nun eingetretenen und sich in Zukunft weiter verschärfenden Situation gewarnt. Ignoranz und das
Beschönigen der Situation durch die politisch Verantwortlichen haben dazu geführt, dass die nun
einzuleitenden Schritte spät, oft zu spät, greifen und die akute Situation nicht verbessern.
Das durch die sächsische CDU und FDP entworfene und verabschiedete Bildungspaket soll Sachsens
Bildungssystem auch bezüglich der Lehrerausstattung zukunftsfähig und stabil machen. Der LER
Sachsen und die Kreiselternräte kritisieren dieses Paket als unzureichend und realitätsfern.
Wir fordern das SMK und den Sächsischen Landtag auf, das Bildungspaket zu überarbeiten und den
tatsächlichen Erfordernissen anzupassen. Nutzen Sie Haushaltsverhandlungen in 2012, um die dafür
notwendigen finanziellen Mittel zu erwirken!

Insbesondere mahnen wir die Berücksichtigung folgender Punkte an:
1. Die Planung der einzustellenden Lehrer muss sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.
Aktuelle Planungen kommen einem effektiven Stellenabbau gleich. Hinsichtlich steigender
Schülerzahlen müssen die aktuellen Prognosen berücksichtigt werden.
2. Bei der Planung der einzustellenden Lehrer muss der Bedarf der jeweiligen Schulart und die
benötigte Fachspezifik berücksichtigt werden. Hierfür sind rechtliche Grundlagen zu schaffen,
die das Einstellen von Lehrern entsprechend der benötigten Fachspezifik erlauben.
3. Der Altersdurchschnitt der Lehrer muss durch Planung zusätzlicher Lehrerstellen
berücksichtigt werden, da nur so der bereits existierende und der weiterhin zu erwartende,
krankheitsbedingte Unterrichtsausfall fachgerecht kompensiert werden kann.
4. Die Attraktivität des Lehrerberufs im Allgemeinen, besonders aber für Grundschulen und
Mittelschulen sowie sonderpädagogische Lehrerberufe muss deutlich erhöht werden, damit
sich Studienanfänger für Studienrichtungen entscheiden, für die ein tatsächlicher Bedarf
besteht.
5. Die Lehrerausbildung sollte derart angepasst werden, dass ein flexibler und kompetenter
Einsatz von Lehrern einer Schulart in anderen Schularten möglich wird.
6. Bei der Verringerung von Lehrerabordnungen mit dem Ziel, mehr Lehrer für den Unterricht
einsetzen zu können, muss dringend darauf geachtet werden, dass dies keine Abordnungen
betrifft, die für die schulische Qualität relevant sind. Beispielhaft genannt seien hier Stellen
des SBI, die für das Qualitätsmanagement und für Lehrerfortbildungen verantwortlich sind.
Der LER Sachsen und die Kreiselternräte Sachsens wenden sich mit Nachdruck an Politik und
Verwaltung nun endlich Voraussetzungen zu schaffen, die es ermöglichen den hohen Anforderungen
an das sächsische Bildungssystem gerecht zu werden.

Andreas Hellner
Vorsitzender LER Sachsen

René Krauß
für die KERs Sachsen

www.ler-sachsen.de
http://www.landeselternrat-sachsen.de/fileadmin/ler/daten/01ler/06positionen/120220_Lehrerversorgung.pdf

Die Probleme sind viel massiver! – LandesSchülerRat Sachsen bemängelt Vertrauensverlust und fordert mehr Engagement

Dienstag, Februar 21st, 2012

Der LandesSchülerRat Sachsen (LSR Sachsen) begrüßt die Neueinstellung von 300 Lehrerstellen. Gleichzeitig kritisiert der LSR Sachsen die fehlende Kommunikation dieses Sachverhaltes durch den zuständigen Kultusminister Prof. Dr. Wöller.

Um den Lehrermangel entgegenzuwirken hat das Kultusministerium 300 Stellen mehr mit Lehrkräften besetzt, als mit den anderen
Ministerien abgesprochen war. Laut Finanzminister Unland setzte sich der Kultusminister über die Finanzplanung hinweg und gefährdete gleichermaßen mit seinem Alleingang das schon beschlossene Bildungspaket 2020, welches selbst Neueinstellungen von Lehrkräften vorsah.

Der Vorsitzende des LSR Sachsen, Konrad Degen, meinte zu den Neueinstellungen: „Wir freuen uns, dass der Minister die Notlage
erkannt hat und probiert gegenzusteuern. Die 300 Neueinstellungen sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die eigentlichen Probleme der Unterversorgung sind viel massiver. Gleichermaßen hat Herr Wöller durch die Verheimlichung der Neueinstellungen viel Vertrauen innerhalb seiner eigenen Koalition und darüberhinaus verloren. Dabei ist Vertrauen gerade in der derzeitig schwierigen Lage der Lehrerversorgung in Sachsen ein Grundbaustein für eine Lösung.“

Um die gesamte Regierungskoalition im Zuge der Haushaltsverhandlungen für die Probleme des Lehrermangels zu sensibilisieren
wird der LandesSchülerRat Sachsen gemeinsam mit den Kreisschülerräten, den Lehrergewerkschaften sowie dem Landeselternrat am 28. März einen Aktionstag in Dresden, Leipzig und Chemnitz organisieren. Der genaue Ablauf sowie ein gemeinsamer Forderungskatalog wird Mitte März der Öffentlichkeit präsentiert. Darin wird der LandesSchülerRat mit seinen Partnerinnen und Partnern zu den Themen Lehrermangel sowie dem Sanierungsstau an sächsischen Schulen deutlich Stellung beziehen. “Lehrkräfte sind kein Bocchiakugeln, welche man ruhig und problemfrei von einer Ecke zur nächsten hin und her schieben kann. Lehrkräfte und die Schülerschaft brauchen Klarheit, abgesicherte Standorte und gut ausgestaltete Rahmenbedingungen. Das werden wir einfordern.”, so Degen abschließend.
http://lsr-sachsen.de/2012/02/die-probleme-sind-viel-massiver/
Veröffentlicht am 16. Februar 2012

Offener Brief des KER-C zum Chemnitzer Aktionstag am 4. Januar. 2012

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Anlässlich des vom Chemnitzer Kreisschülerrat, vom Kreiselternrat Chemnitz organisierten und von den drei Lehrergewerkschaften (SLV, GEW und Philologenverband) unterstützten Chemnitzer Aktionstages gegen Lehrermangel wendet sich der Kreiselternrat Chemnitz mit folgendem Offenen Brief an die sächsische Landespolitik:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Staatsminister Prof. Wöller,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Sächsischen Landtages,

zu den prägendsten Verabredungen bei der Wiedergründung des Freistaates Sachsen zählte unbestritten die Entwicklung eines den neuen gesellschaftlichen Bedingungen entsprechenden hochqualifizierten Bildungswesens, das das Recht eines jeden jungen Menschen auf eine seinen Fähigkeiten entsprechende Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage ebenso achtet, wie das Recht der Eltern, Erziehung und Bildung ihrer Kinder mitzubestimmen. Die Sächsische Verfassung erlegt dem Freistaat in diesem Kontext die Verpflichtung auf, die notwendigen finanziellen, sachlichen, organisatorischen und personellen Mittel für die Erfüllung eben dieser Bildungs- und Erziehungsziele verlässlich bereitzustellen. Es geschah gerade auch in dem Wissen, dass die Stärke unseres Landes in Bildung, Ideenreichtum und Schaffenskraft der sächsischen Menschen liegt.
Wir wissen aber auch, dass wir im Moment nur die Spitze des Eisberges in der Personalentwicklung erleben. Gleichzeitig zieht sich sich der Freistaat Sachsen fast komplett aus dem seit der Wende bestehenden Problem dringend nötiger Schulsanierungen zurück, dass besonders in den großen Städten mittlerweile zu teilweise beschämenden Zuständen geführt hat. Die unter Finanznot leidenden Kommunen können das nicht auffangen. Daher ist zu befürchten, dass die ersten nach der Wende sanierten Schulen bereits wieder abgenutzt sein werden, wenn der Aufbau nach der Wende noch lange nicht abgeschlossen sein wird.

Wohin soll diese Entwicklung des bislang auf seine Bildung stolzen Landes führen?
Verfassungsauftrag und Verfassungswirklichkeit stimmen aber längst schon nicht mehr überein. Inzwischen lebt das sächsische Bildungswesen von der Substanz, läuft der Freistaat Gefahr, dass sich das in PISA-Tests der Vergangenheit befeierte gute Abschneiden sächsischer Schüler ins Gegenteil verkehrt. Längst geht im Land Sachsen das Wort vom Bildungsnotstand um. Denn was in offiziellen „bunten” Lehrerbedarfsaufstellungen und Ausfallstatistiken noch als temporäre „Schieflage” verkauft wird, entpuppt sich inzwischen in der Praxis als längst nicht mehr hinnehmbare katastrophale Situation. Die massenhaften Abordnungen (Teilversetzungen) gerade auch von Chemnitzer Lehrern an andere, teils an mehrere Schulen führt zu starken Einschränkungen der Lehrerstundenzahl an den Stammschulen der abgeordneten Lehrer. Die Folge sind Fach- und Klassenlehrerwechsel in Größenordnungen, der Wegfall von Klassenleiterstunden und Förderunterricht, von Hausaufgabenbetreuung und AG-Angeboten. Der tatsächliche Stundenausfall an vielen Schulen hat längst nicht mehr vertretbare Ausmaße angenommen. Lehrer werden zu bloßen Stundenabhaltern degradiert. Für Mehrarbeitsstunden fehlt adäquate Entlohnung und motivierende Stimulanz.
Hier nur ein knapper Querschnitt aus Zuschriften besorgter Eltern vergangener Tage:
„Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Schulformen und Lehrplänen wirkt sich auf die Qualität der Arbeit der betroffenen Lehrer aus.”

„Ich bin unzufrieden mit der Lehrermangelsituation … weil:
- zu viele Ausfallstunden stattfinden …
- das Stundenniveau durch überarbeitete Lehrer immer mehr sinkt
- genervte Lehrer sich nicht mit den Problemen von Kindern auseinandersetzen
- Hausaufgaben erteilt werden, deren Stoff im Unterricht behandelt werden sollte
- individuelle Förderung für leistungsstarke und leistungsschwache Schüler nicht ausreichend möglich ist”
„Ich bin unzufrieden… weil
- die Vertretungslehrer nur selten den aktuellen Stoff ausreichend behandeln oder nur Wiederholungen zu alten Stoffgebieten durchführen,
- manche Lehrer Fächer vertreten müssen, in denen sie keine Fachlehrer sind und deshalb ein anderes Fach unterrichten”

„Was wir nicht verstehen können, dass die LehrerInnen in anderen Schulen aushelfen müssen, obwohl doch in der eigenen Schule die „Luft brennt”.
„Ich bin unzufrieden,
1. weil gestresste Lehrer Schüler stressen
2. weil ständig wechselnde Fachlehrer kaum Vertrauen zu ihren Schülern aufbauen können
3. weil Lehrermangel offensichtlich zu mehr krankheitsbedingen Ausfallzeiten der Lehrer führt
4. weil die derzeitige Situation das Bildungsniveau senkt und langfristig einen Fachkräftemangel in Sachsen begünstigt
5. weil ein hoher Klassenteiler verhindert, dass die persönlichen Stärken unserer Kinder gefördert und Schwächen beachtet werden.”

Angesichts dieser konkret erlebten Bildungsmisere fordern wir Sie dringend auf, nun endlich diese Realitäten zur Kenntnis zu nehmen und dafür Sorge zu tragen, dass dem Lehrermangel in Sachsen durch konkrete politische Schritte entgegengewirkt wird. Grundvoraussetzung sind dafür zweifelsohne eine geänderte Lehrer-Tarifpolitik, die es Lehramtsabsolventen lukrativ macht, ihren Berufsweg in Sachsen zu beschreiten. Wie bereits in den Petitionen der Kreiselternräte Chemnitz, Dresden und Leipzig im Jahr 2009 an den Sächsischen Landtag gefordert, jedoch von der Staatsregierung und der sie tragenden Mehrheit bislang schlicht ignoriert, muss jetzt unverzüglich dem Sächsischen Landtag ein Bildungshaushalt unterbreitet werden, der es ermöglicht, adäquat zum altersbedingten Ausscheiden von sächsischen Lehrerinnen und Lehrern aus dem Berufsleben, fachbedarfsgerecht neue Lehrerinnen und Lehrer sowie Referendare in den sächsischen Schuldienst zu bringen.

An Bildung zu sparen, heißt jungen Menschen hier und heute individuelle Zukunftschancen zu nehmen, ist das Gegenteil von Generationengerechtigkeit und bedeutet, den Freistaat Sachsen einer seiner maßgeblichsten „Ressourcen” zu berauben.

So, sehr geehrte Damen und Herren Landespolitiker, wird der Freistaat Sachsen seinem Bildungsauftrag nicht gerecht!

Nehmen Sie endlich die Verantwortung Ihres Amtes und das Versprechen Ihres Amtseides wahr!
Kreiselternrat Chemnitz

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